Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. senkt den Referenzwert für Jod
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. senkte den Referenzwert für Jod für die Altersgruppe „Erwachsene unter 51 Jahren“ von 200 µg auf 150 µg am Tag.
Dies geschah jedoch nicht, weil die Deutschen weniger Jod benötigen. Der alte Referenzwert berücksichtigte einen Zuschlag, um die unzureichende Jodversorgung der Bevölkerung in Deutschland und Österreich zu verbessern. Dies entspricht nun nicht mehr der wissenschaftlichen Vorgehensweise sowie der Zielsetzung der Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr, welche sich nicht an Personen mit Nährstoff Mängeln richten.
Die gesundheitlichen Risiken eines Jodmangels bleiben bestehen und eine ausreichende Jodzufuhr ist weiterhin essentiell!
Wie ist die Versorgungslage in Deutschland?
Die Jodversorgung in Deutschland ist rückläufig und stellt damit ein wachsendes Problem dar. In etwa 32 % der Erwachsenen und 44 % der Kinder und Jugendlichen in Deutschland weisen ein erhöhtes Risiko für eine Jodunterversorgung auf. Laut des 13. DGE-Ernährungs-Berichtes liegt die geschätzte Jod-Zufuhr von Frauen im gebärfähigen Alter in Deutschland unter dem empfohlenen Referenzwert von damals täglich 200 µg Jod.
Jod – ein oftmals unterschätztes Spurenelement
Jod ist ein lebensnotwendiges Spurenelement, welches der Körper nicht selbständig bilden kann. Um einem Mangel vorzubeugen, muss es somit in ausreichenden Mengen regelmäßig über die Nahrung aufgenommen werden.
Jod ist ein wichtiger Bestandteil der Schilddrüsenhormone und deshalb an vielen Stoffwechselprozessen, wie der Regulation der Körpertemperatur, dem Energiestoffwechsel sowie an der Zellteilung und dem Zellwachstum beteiligt. Besonders bei Kindern sind die Schilddrüsenhormone essentiell für das Wachstum, die Knochenbildung und die Gehirnentwicklung. Bereits vor der Geburt werden Schilddrüsenhormone für die gesunde Entwicklung von inneren Organen, Nervensystem, Kreislauf-Organen und Muskulatur des Kindes benötigt.
Der individuelle Jodbedarf ist von Faktoren wie dem Alter, dem Gesundheitszustand und der Stoffwechsellage abhängig.
Welche Lebensmittel enthalten Jod?
Reich an Jod sind insbesondere Seefisch und Meeresfrüchte. Milch, Milchprodukte und Eier können ebenfalls durch Anreicherung des Tierfutters relevante Jod Mengen enthalten. Jodiertes Speisesalz und verarbeitete Lebensmittel, die jodiertes Speisesalz enthalten (z.B. Brot, Käse, usw.) tragen zusätzlich zur Jodversorgung bei.
Algenpräparate zur Jodversorgung?
Immer wieder wird der Konsum von Algen zur Jodversorgung genannt. Algen sollten laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) jedoch nicht zur Jodversorgung herangezogen werden. Algen sind ein Naturprodukt, das keiner Standardisierung unterliegt. Die enthaltenen Jod Mengen können somit stark schwanken.
Ein Gramm Braunalgen beispielsweise, enthält durchschnittlich 5.500 µg Jod. Das „Tolerable Upper Intake Level“ (die maximale tägliche Zufuhr, die unbedenklich ist), liegt laut der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) für gesunde Erwachsene bei 600 µg pro Tag. Die Einnahme von Algen kann somit zu einer Überversorgung mit Jod führen.
Mangelversorgung von Jod in Schwangerschaft und Stillzeit
In der Schwangerschaft und Stillzeit ist eine ausreichende Jodversorgung unverzichtbar. Ein Jodmangel in der Schwangerschaft, im Säuglings- oder Kleinkindalter, erhöht das Risiko für Tot- und Fehlgeburten, kann zu einer verminderten kognitiven Leistungsfähigkeit und zu körperlichen Entwicklungsstörungen des Kindes führen. Diese schweren Entwicklungsstörungen werden als „Kretinismus“ bezeichnet. Hierbei kommt es nicht nur zu Kleinwuchs, sondern auch zu geistiger Behinderung und Gesichtsfehlbildungen des Kindes.
Offizielle Empfehlungen der Jod-Supplementation
Für Schwangere und Stillende in Deutschland ist es schwierig, allein über die Ernährung die wünschenswerte Zufuhr von 220 µg (neuer Referenzwert!) bzw. 230 µg (neuer Referenzwert!) Jod pro Tag zu erreichen. Laut offiziellen Empfehlungen sollten Schwangere und Stillende aus diesem Grund, nach ärztlicher Absprache, täglich 100-150 µg Jod supplementieren. Bereits bei der Planung einer Schwangerschaft sollte auf eine ausreichende Jodaufnahme geachtet werden.
Fazit
Die Senkung des Referenzwertes für Jod bedeutet nicht, dass die Deutschen weniger Jod benötigen oder aber sich die Versorgungslage in Deutschland verbessert hat. Insbesondere in der Schwangerschaft und Stillzeit sollte auf eine ausreichende Jodversorgung geachtet werden, um die Entwicklung des Babys zu fördern. Auch Kinder und Jugendliche in Deutschland weisen ein erhöhtes Risiko einer Jodunterversorgung auf.
Quellen:
Hey I, Thamm M (2019): Abschlussbericht: Monitoring der Jod- und Natriumversorgung bei Kindern und Jugendlichen im Rahmen der Studie des Robert Koch-Instituts zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS Welle 2)
Remer T, Thamm M (2015): Abschlussbericht: Ermittlung der täglichen Jod- und Salzzufuhr Erwachsener in Deutschland: Biomarkerbasierte Datenanalyse der repräsentativen DEGS-Studie und methodologische Basislegung für künftige Gesundheitssurveys
MRI (2024): Ergebnisbericht Jodsalzmonitoring 2023. Max Rubner-Institut Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel
BfR (2007): Gesundheitliche Risiken durch zu hohe Jodgehalte in getrockneten Algen. Aktualisierte Stellungnahme Nr. 026/2007
LGL (2025): Jod. Aufruf unter: https://www.lgl.bayern.de/lebensmittel/chemie/schwermetalle/jod/index.htm, aufgerufen am: 07.010.2025
BfR (2021): Jod, Folat/Folsäure und Schwangerschaft. Aufruf unter: https://www.bfr.bund.de/cm/350/jod-folat-folsaeure-und-schwangerschaft.pdf, aufgerufen am: 07.10.2025
DGE (2025): Neue Referenzwerte für die Jodzufuhr – Jod wichtiger denn je! Aufruf unter: https://www.dge.de/presse/meldungen/2025/neue-referenzwerte-fuer-die-jodzufuhr/, aufgerufen am 07.10.2025