Viele Eltern belohnen ihre Kinder mit Essen, da auch sie in ihrer Kindheit mit Essen belohnt wurden. Essen ist einfach verfügbar und funktioniert wunderbar als „Verstärker“, um ein gewünschtes Verhalten zu fördern:
„Iss noch drei Löffel, dann bekommst du einen Keks.“
„Wenn du jetzt artig bist, dann gibt es später Eis."
Das Problem: Hierdurch wird Essen zur „Währung“ und nicht zum Ausdruck von Hunger oder Genuss.
Risiken & Auswirkungen
Die Verknüpfung von Essen mit Emotionen
Wird mit Essen belohnt, erhöht sich das Risiko, dass das Kind unterbewusst das Essverhalten mit Emotionen verbindet. Das Kind verknüpft Gefühle wie Freude, Belohnung oder Trost beispielsweise mit dem Konsum von süßem Essen. Im späteren Leben greift das Kind in Stresssituationen dann automatisch zu Süßem, auch ohne Hunger.
Beispiel:
Ein Kind bekommt nach einem Arztbesuch zur Beruhigung und gleichzeitig zur Belohnung Gummibärchen. Im Erwachsenenalter tröstet es sich nach einem stressigen Tag mit Süßem.
Gesunde Lebensmittel werden als „Pflicht“ empfunden
Neben der emotionalen Verknüpfung kann es dazu führen, dass gesundes Essen als „Pflicht“ und ungesundes Essen als „Belohnung“ angesehen wird. Wird der Gemüseverzehr als „Hindernis“ und das süße Teilchen als „Belohnung“ wahrgenommen, kann sich eine Abneigung gegen gesunde Lebensmitteln entwickeln. Zeitgleich wird das Lebensmittel, das als Belohnung verwendet wird, für Kinder begehrenswerter. Studien zeigen, dass Kinder dazu neigen, von diesen Lebensmitteln (wenn sie frei verfügbar sind) zu viel zu essen.
Beispiel:
Dem Kind wird gesagt, dass es später einen Pudding bekommt, wenn es zunächst Brokkoli isst. Hierdurch ist es möglich, dass das Kind Brokkoli langfristig mit etwas Negativem und Pudding mit etwas Positivem, Begehrenswerten verbinden wird.
Alternativen zur Belohnung mit Essen
Anstatt das Kind mit Essen zu belohnen, kann es beispielsweise mit zusätzlicher gemeinsamer Zeit belohnt werden, indem z.B. das Lieblingsspiel gemeinsam gespielt wird. Zudem können unter anderem Sticker als kleine Auszeichnungen verliehen werden.
Dient das süße Teilchen der Anregung mehr Gemüse zu essen, da das Kind ansonsten nur wenig Gemüse isst, ist es sinnvoller, das Kind bei der gemeinsamen Essensplanung einzubeziehen. Dem Kind werden z.B. verschiedene Gemüse- und Obstsorten angeboten, aus denen gemeinsam verschiedene Formen (z.B. Tierform, Baggerform, …) ausgestochen oder bunte Spieße zubereitet werden, um das Gemüse/Obst attraktiver zu gestalten.
Fazit
Essen sollte kein Werkzeug zur Belohnung oder Bestrafung sein, sondern Freude bereiten und Bedürfnisse stillen. Wer sein Kind nicht mit Essen, sondern Alternativen belohnt, stärkt das gesunde Essverhalten seines Kindes langfristig.
Quelle:
Fedewa AL, Davis MC (2015): How Food as a Reward Is Detrimental to Children's Health, Learning, and Behavior. J Sch Health; 85(9):648-58