Was ist PCOS?
Beim Polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS) handelt es sich um eine Stoffwechsel- und Fortpflanzungsstörung, die ausschließlich Frauen betreffen kann. Symptome sind unter anderem ein gestörter Menstruationszyklus (Zyklen länger als 35 Tage oder kürzer als 21 Tage), eine ausbleibende Menstruation, eine verstärkte Körperbehaarung oder Haarausfall. Letztere beiden kommen durch einen Überschuss an männlichen Hormonen zustande.
Je nachdem wie das Krankheitsbild definiert wird und welche Phänotypen bei der Diagnostik einbezogen werden, liegt die weltweite Prävalenz von PCOS zwischen 4 und 21 %. Knapp 60-70 % der Frauen mit PCOS sind übergewichtig. PCOS muss jedoch nicht zwingend mit Übergewicht einherkommen, denn auch Normalgewichtige können an PCOS erkranken. Einen großen Faktor bei der Erkrankung spielt die Insulinresistenz. Eine Studie konnte bei 75 % der normalgewichtigen und 95 % der übergewichtigen Frauen mit PCOS eine Insulinresistenz feststellen.
Was sind die Ursachen der Entwicklung von PCOS?
Die genauen Ursachen für die Entwicklung des Syndroms sind noch nicht vollständig geklärt. Vermutlich spielen genetische Faktoren eine Rolle. Ob zuerst eine Insulinresistenz vorliegt und dann PCOS ausbricht oder ob das Syndrom von den Eierstöcken ausgeht, ist noch nicht klar. Zeitgleich kommt es zu einer vermehrten Ausschüttung des Luteinisierenden Hormons (LH) in der Hypophyse. Übergewicht, insbesondere die Anhäufung von viszeralem Fettgewebe („Bauchfett“) kann durch die Produktion von Hormonen ebenfalls zum Hormonungleichgewicht beitragen.
Was sind mögliche Folgen von PCOS?
Durch die erhöhte Insulinausschüttung kann die Produktion von männlichen Hormonen und LH weiter steigen. Das wiederum fördert die Entwicklung von Diabetes mellitus Typ 2 und einer nicht alkoholischen Fettleber (MASLD). Darüber hinaus liegt ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Angstzustände und Depressionen vor. Bei einer Schwangerschaft ist das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes und Präeklampsie erhöht.
Wie wird PCOS diagnostiziert?
In Deutschland wird PCOS in der Regel nach den Rotterdam Kriterien diagnostiziert. Hierbei werden verschiedene Symptome abgefragt bzw. untersucht. Es werden Erkrankungen, die ein ähnliches Erscheinungsbild haben, ausgeschlossen. Zudem müssen zwei der drei folgenden Kriterien erfüllt sein:
- Es liegt ein Überschuss an männlichen Hormonen im Blut oder ein vermehrter Haarwuchs an für Frauen untypischen Körperregionen
- Es liegt ein gestörter Menstruationszyklus oder eine ausbleibende Periode vor
- Im Ultraschall lassen sich mehr als 20 mit Flüssigkeit gefüllte Follikel an einem oder beiden Eierstöcken finden oder es liegt ein ovarielles Volumen eines Eierstocks von > 10 ml vor
Was tun nach einer PCOS-Diagnose?
Liegt eine Insulinresistenz vor, sollte das Ziel sein, die Insulinsensitivität zu steigern. Dies kann erreicht werden, indem die täglichen Bewegungsumfänge gesteigert und regelmäßige Sporteinheiten in Form von Krafttraining durchgeführt werden. Zudem sollte das Ernährungsmuster angepasst werden. Hierfür lohnt es sich, Hilfe bei einer Ernährungsfachkraft wie einer Ökotrophologin, Diätassistentin oder Ernährungswissenschaftlerin in Anspruch zu nehmen. Die Einnahme von Medikamenten wie Metformin sollte individuell abgewogen werden. Zudem kann individuell unter anderem die Einnahme von Myo-Inositol getestet werden. Auch Nährstoffe wie beispielsweise Vitamin D, marine Omega-3-Fettsäuren (EPA, DHA) sowie NAC können individuell eingesetzt werden.
Quellen:
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