Das stille Problem hinter vielen Klinik Mauern
Krankenhäuser werden mit medizinischer Versorgung, Hightech-Geräten, Pflegepersonal, spezialisierten Ärzten und (in Deutschland leider häufig) standardisierten (nährstoffarmen) Essen in Verbindung gebracht. Dies führt zu einem Problem, dessen Folgen für die Patienten sowie für das Gesundheitssystem gravierend sein können: Mangelernährung bei Krankenhauspatienten. Obwohl die Ernährung eine grundlegende Rolle im Heilungsprozess spielt, wird sie in der klinischen Praxis oft vernachlässigt.
Was bedeutet Mangelernährung im Krankenhaus?
Mangelernährung bezeichnet einen Zustand, bei dem der Körper über einen längeren Zeitraum nicht ausreichend mit Energie, Eiweiß oder Mikronährstoffen versorgt ist. Dies kann sowohl durch eine unzureichende Nahrungsaufnahme als auch durch krankheitsbedingte Stoffwechselveränderungen entstehen.
Nicht nur untergewichtige Patienten, sondern auch Normalgewichtige und Übergewichtige können hiervon betroffen sein, insbesondere, wenn sie beispielsweise nach einer Operation, bei chronischen Erkrankungen oder durch Appetitlosigkeit weniger essen.
Zahlen und Fakten
Die Rate an Mangelernährung in deutschen Krankenhäusern liegt typischerweise zwischen 25 % und 65 %, abhängig von den verwendeten Diagnosekriterien und der untersuchten Patientengruppe. Geriatrische, onkologische und gastroenterologische Patienten sind besonders betroffen. Die GLIM-Kriterien (ein weltweites Konzept mit dem Ziel, die komplexe Diagnosestellung einer Mangelernährung zu vereinheitlichen) zeigen in neueren Studien eine Prävalenz von über 60 % bei hospitalisierten Erwachsenen.
Ursachen für Mangelernährung im Krankenhaus
Neben einer krankheitsbedingten Appetitlosigkeit durch Schmerzen, Medikamente oder Übelkeit, können auch Schluckstörungen, fehlende Screening-Verfahren, oder eine standardisierte Krankenhauskost, die nicht immer auf die Bedürfnisse älterer oder erkrankter Personen abgestimmt ist, zur Mangelernährung im Krankenhaus beitragen. Auch ein fehlender Zeitdruck beim Pflegepersonal kann dazu führen, dass individuelle Ernährungshilfen nicht angeboten werden können.
Mögliche Folgen von Mangelernährung
Mangelernährung im Krankenhaus verlängert nicht nur die Verweildauer im Krankenhaus um bis zu 43 % und erhöht das Risiko für Infektionen, die Rate von Komplikationen wie Wundheilungsstörungen und Stürzen, sondern führt darüber hinaus zur deutlichen Erhöhung der Sterblichkeit. Des Weiteren sinkt die Lebensqualität der Patienten, wobei die direkten Kosten für das Gesundheitssystem erheblich steigen.
Besonders kritisch ist die Situation bei älteren Patienten und bei Patienten, die an mehreren (meist chronischen) Erkrankungen leiden, bei denen Mangelernährung häufig nicht diagnostiziert oder unzureichend behandelt wird.
Ernährungstherapie - das A und O
Eine frühzeitige Ernährungstherapie mit individueller Anpassung der Energie- und Proteinaufnahme kann die klinischen Ergebnisse verbessern und die Sterblichkeit senken. Die Durchführung von Screening- und Interventionsmaßnahmen ist von entscheidender Bedeutung, um die negativen Auswirkungen der Mangelernährung im Krankenhaus zu reduzieren.
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