Ob Kinder, die in Deutschland leben, zwingend Supplemente für eine gesunde Entwicklung benötigen, lässt sich nicht pauschal beantworten. Bei nachgewiesenem Mangel oder erhöhtem Risiko jedoch, ist eine Supplementation indiziert.
Vitamin D
Im ersten Lebensjahr wird eine Vitamin D-Gabe für alle Säuglinge, insbesondere bei gestillten Kindern sowie bei Risikogruppen wie Kindern mit dunkler Hautfarbe oder geringer Sonnenexposition, offiziell empfohlen. Es lohnt sich eine Supplementierung über das erste Lebensjahr hinaus (insbesondere bei Kindern, die in Deutschland leben) individuell zu prüfen.
Jod
Die Jodversorgung in Deutschland zeigt einen rückläufigen Trend. Laut Daten des Robert Koch-Institutes weisen in etwa 44 % der Kinder und Jugendlichen (im Alter von 3-17 Jahren) in Deutschland eine zu geringe Jodzufuhr auf. In der Altersgruppe der Drei- bis Sechsjährigen sind es ca. 50 % die nicht ausreichend versorgt sind.
Das Problem: Eine anhaltende Unterversorgung mit Jod kann zu Funktionsstörungen der Schilddrüse mit umfangreichen gesundheitlichen Auswirkungen führen. Insbesondere im Kindes und Jugendalter sollte zwingend auf eine ausreichende Aufnahme von Jod geachtet werden.
Pflanzenbasierte Ernährung
Bei stark pflanzenbasierter Ernährung kann eine gezielte Supplementation von Vitamin B12 erforderlich sein. Zudem könnte die ausreichende Aufnahme von Nährstoffen wie Eisen, Vitamin B2, Calcium, Zink, Omega-3-Fettsäuren (EPA, DHA) und Eiweiß (essentiellen Aminosäuren) potentiell kritisch sein.
Mein Kind mag kein Gemüse
Ein langfristig geringer Gemüseverzehr oder „picky eating“ bei Kindern kann ein Problem hinsichtlich der Mikronährstoffversorgung darstellen. Ein wählerisches Essverhalten ist in gewissem Maße altersbedingt normal, kann jedoch (wenn nicht gegengesteuert wird) das Risiko für Mangelernährung oder unausgewogene Ernährung (u.a. ballaststoffarm) mit Symptomen wie Verstopfungen deutlich erhöhen.
Zunächst sollte versucht werden mit Tricks wie beispielsweise „verstecktem Gemüse“ in pürierten Soßen oder Suppen gegenzusteuern. Auch ein gemeinsames Einkaufen und Zubereiten der Speisen kann die Akzeptanz erhöhen. Zudem sind Geduld und ein regelmäßiges Anbieten gefragt. Neue Lebensmittel sollten regelmäßig auf dem Tisch präsent sein. Bei einer stark eingeschränkten Ernährung sollte eine ärztliche Beratung eingeholt, Blutwerte geprüft und im Optimalfall eine Ernährungstherapie in Anspruch genommen werden, um individuelle Mängel auszugleichen.
Quellen:
Hey I, Thamm M (2019): Abschlussbericht: Monitoring der Jod- und Natriumversorgung bei Kindern und Jugendlichen im Rahmen der Studie des Robert Koch-Instituts zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KiGGS Welle 2)
Siafarikas A, Deichl A, Jahreis G, Pieplow A, Vogel H, Kauf E, Kapuhs AE, Badeke E, Berger G, Kändler H, Hesse V (2017): Cross-sectional analysis of universal vitamin D supplementation in former East Germany during the first year of life. J Pediatr Endocrinol Metab; 30(4):395-404
Taylor CM, Wernimont SM, Northstone K, Emmett PM (2015): Picky/fussy eating in children: Review of definitions, assessment, prevalence and dietary intakes. Appetite; 95:349-59
Taylor CM, Emmett PM (2019): Picky eating in children: causes and consequences. Proc Nutr Soc; 78(2):161-169